In unserer schnelllebigen Zeit können sich die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt kurzerhand rasant ändern. Finden Betroffene keinen neuen Arbeitsplatz, kann die Weiterbildung oder Umschulung oft den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen.

Doch wie kann eine derartige Weiterbildungsmaßnahme finanziert werden? Der Bildungsgutschein macht’s möglich! Wie du diesen beantragst, welche Voraussetzungen es dafür gibt und welche Leistungen durch ihn abgedeckt sind, liest du in meinem nachfolgenden Artikel.

Was ist ein Bildungsgutschein?

Bei einem Bildungsgutschein handelt es sich um die finanzielle Förderung einer Weiterbildung. Ein vom Arbeitsamt oder dem Jobcenter ausgestellter Bildungsgutschein erlaubt es dir demnach an einer Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen, ohne dabei selbst Kosten zu tragen.

Der Bildungsgutschein ist im Grunde genommen nichts anderes als eine schriftliche Erklärung der Agentur für Arbeit, dass sie Kosten deiner Weiterbildung übernimmt. Grundsätzlich gilt unter anderem auch zu wissen, dass die Förderung nicht übertragbar ist und sich auf einen konkreten Weiterbildungsort sowie ein genaues Bildungsziel bezieht.

Die von der Arbeitsagentur geförderten Maßnahmen zur Weiterbildung verfolgen vorrangig folgende Ziele:

  • das Beenden der Arbeitslosigkeit
  • die Sicherung des Arbeitsplatzes
  • das Nachholen eines fehlenden Berufsabschlusses

Welche Leistungen sind abgedeckt?

Über den Bildungsgutschein können unterschiedliche Maßnahmen gefördert werden. Über deine konkreten Möglichkeiten solltest du bestenfalls direkt mit deinem Sachbearbeiter sprechen. Grundsätzlich kommen allerdings folgende Leistungen infrage:

Lehrgangs- und Prüfungskosten

Hierzu zählen neben den Gebühren für Lehrgänge und Prüfungen auch die Kosten für Lernmittel, Prüfstücke und Arbeitskleidung.

Fahrkosten

Hier unterschiedet man zwischen:

  1. Pendelfahrten: Unter sogenannten Pendelfahrten versteht man Fahrten die zwischen dem Wohnort und der jeweiligen Ausbildungsstätte erfolgen. Sie werden mit 20 Cent pro Kilometer gefördert. Jedoch gilt zu bedenken, dass für Kunden des Jobcenters andere Bedingungen gelten, diese sollten unbedingt vorab erfragt werden. Monatlich werden maximal 476 Euro an Fahrtkosten übernommen.
  2. Familienheimfahrten: Heimfahrten zur Familie werden ebenfalls mit 20 Cent pro Kilometer unterstützt. Solltest du ein anderes Verkehrsmittel nutzen, übernimmt die Agentur für Arbeit die anfallenden Kosten in der günstigsten Klasse. Das heißt: Du kannst verständlicherweise nicht in der 1. Klasse mit der Bahn reisen, da ausschließlich die 2. Klasse erstattet wird. Der monatliche Höchstbetrag liegt für Familienheimfahrten bei 130 Euro.

Kosten für auswärtige Unterkünfte

Ebenfalls können Unterkunft und Verpflegung durch die Arbeitsagentur erstattet werden:

  • pro Tag werden für die Unterkunft 31 Euro übernommen – der monatliche Maximalbetrag liegt bei 340 Euro
  • für die Verpflegung werden täglich 18 Euro gewährt, maximal jedoch 136 Euro pro Kalendermonat

Kinderbetreuungskosten

Wer aufsichtsbedürftige Kinder hat (unter 15 Jahre) und wem Kosten durch die Kinderbetreuung während der Fortbildungsmaßnahme entstehen, kann bis zu 130 Euro zusätzlich erhalten.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Grundsätzlich gilt zu wissen, dass es sich bei einem Bildungsgutschein um eine sogenannte „Kann“-Leistung handelt, es besteht also kein Rechtsanspruch auf diese Förderungsmaßnahme 😓. Um einen Bildungsgutschein zu erhalten, musst du mindestens einer der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Du bist arbeitslos, sowohl mit als auch ohne Leistungsbezug nach SGB II oder III
  • Du bist als arbeitssuchend gemeldet
  • Du bist von der Arbeitslosigkeit bedroht
  • Du benötigst die Weiterbildung/ Fortbildung für deine berufliche Eingliederung
  • Du benötigst die Weiterbildungsmaßnahme zur Sicherung deines Arbeitsplatzes

Wichtig: Eine Weiterbildung kann nur dann über einen Bildungsgutschein gefördert werden, wenn sie auch tatsächlich notwendig ist, um den Antragssteller zum Beispiel beruflich einzugliedern (!), die drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden oder einen fehlenden Berufsabschluss nachzuholen.

Ob eine Fortbildung wirklich notwendig ist, wird zudem anhand der aktuelle vorherrschenden Arbeitsmarktbedingungen geprüft.

Hierfür stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Kann die aktuelle Arbeitslosigkeit auch ohne eine zusätzliche Weiterbildung beendet werden? Erhöht die Fortbildungsmaßnahme die Chance auf eine berufliche Eingliederung? Besteht für den Beruf eine hohe Nachfrage?

Wie sieht der Bildungsgutschein aus?

Wo beantrage ich den Bildungsgutschein?

Den Bildungsgutschein kannst du direkt bei der für dich zuständigen Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter beantragen.

Dafür ist es jedoch zwingend (!) notwendig einen Termin zur persönlichen Beratung zu vereinbaren 🙄.

Alle nötigen Informationen zum Download (PDF) findest du hier oder du erhältst diese von deinem zuständigen Vermittler bei der Agentur für Arbeit überreicht.

Wo kann ich den Bildungsgutschein einlösen?

Den Bildungsträger kannst du dir selbst aussuchen, allerdings kannst du dich nur bei einem zugelassenen Bildungsträger weiterbilden. Zudem besteht die Möglichkeit auch zertifizierte E-Learning-Kurse zu absolvieren.

Wissenswert: Nähere Informationen erhältst du über die Datenbank „KURSNET“ der Arbeitsagentur oder direkt beim jeweiligen Bildungsträger.

Wie beantrage ich den Bildungsgutschein?

Bist du der Meinung, dass mindestens eine der oben genannten Voraussetzungen auf dich zutrifft, kannst du einen Bildungsgutschein beantragen.

Doch bitte bedenke, ohne den persönlichen Kontakt zu einem Arbeitsvermittler ist es nicht möglich, einen Bildungsgutschein zu beantragen – Das persönliche Gespräch vor Ort ist demnach immer Voraussetzung!

Schritt-für-Schritt Anleitung:

Schritt #1: Weiterbildungsmaßnahme ankündigen

Teile zunächst deinem Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit mit, dass du eine Weiterbildung anstrebst.

Schritt #2: Prüfung der Voraussetzungen

Dein Arbeitsvermittler wird anschließend prüfen, ob du die Voraussetzungen für eine berufliche Weiterbildungsförderung erfüllst.

Ist dies der Fall, kannst du mit dem für dich zuständigen Arbeitsberater einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.

Schritt #3: Beratungstermin

Vereinbare einen Beratungstermin mit der für dich zuständigen Arbeitsagentur. Bei diesem Termin solltest du plausibel begründen, warum die Weiterbildung für deine zukünftigen Beschäftigungschancen von wichtiger Bedeutung ist. Bring zu diesem Beratungstermin unbedingt alle erforderlichen Unterlagen mit.

Deine Weiterbildung startet bereits in Kürze? Dann solltest du einen formlosen schriftlichen Antrag mit der Bitte um eine zügige Bearbeitung stellen. Die erforderlichen Unterlagen solltest du natürlich direkt beifügen.

Mein Tipp: Solltest du bereits ein interessiertes Unternehmen gefunden haben, das dich mit deinen Zusatzqualifikationen einstellen würde, wird die Arbeitsagentur deinen Antrag binnen kürzester Zeit bewilligen.

Bitte deinen späteren Arbeitgeber daher um eine schriftliche Bestätigung der Absicht.

Checkliste – Das solltest du mit zum Beratungstermin nehmen:

  • Übersicht deiner bisherigen Bewerbungen
  • Informationen zur gewünschten Weiterbildung oder zum jeweiligen Träger
  • Informationen zu späteren Berufschancen in Form von aktuellen Stellenangeboten oder aussagekräftigen Studien

Schritt #4: Antrag

Den Bildungsgutschein musst du wie bereits erwähnt vor Beginn deiner Weiterbildung beantragen. Fülle dazu den Antrag auf Förderungen der beruflichen Weiterbildung, den du bei deinem Beratungstermin erhalten hast, aus.

Vergiss keinesfalls den Namen des gewünschten Bildungsträgers, die Nummer der Bildungsmaßnahme sowie den Beginn und das Ende der Umschulung anzugeben.

Falls du bereit dazu bist, eine Weiterbildung außerhalb deines Wohnorts anzustreben, gib eine zusätzliche Mobilitätserklärung ab. Dadurch werden deine Chancen auf einen Bildungsgutschein nochmal erhöht.

Welche Alternativen der Förderung gibt es zum Bildungsgutschein?

Solltest du die Voraussetzungen für die Erteilung eines Bildungsgutscheins nicht erfüllen, ist das nicht direkt ein Grund zur Sorge, denn mittlerweile gibt es einige alternative Fördermöglichkeiten der Arbeitsagentur:

Aktivierung- und Vermittlungsgutschein, kurz auch „AVGS“: Bist du bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter als arbeitssuchend gemeldet, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) beantragen.

Hier stehen dir verschiedene Varianten zur Auswahl: Einzelcoachings, Private Arbeitsvermittlung, Weiterbildungen oder betriebliche Trainingsmaßnahmen.