Kennst du auch die Bildchen derer, die sich mit Hashtag #TGIF ins Wochenende verabschieden und die gleichzeitig sonntags nicht einschlafen können, beim Gedanken an den ersten Arbeitstag der Woche?

„Ich habe Montag“, habe ich mal irgendwann als Zitat gehört und fand das bemerkenswert – bemerkenswert erschreckend!

Ich habe in den letzten Jahren weit über 3.000 Karrierefragen auf dem Karriere-Netzwerk Xing beantwortet, von Menschen, die in ihrer aktuellen beruflichen Situation unzufrieden waren und die einen Weg heraussuchten.

Was glaubst du – an welchem Tag habe ich die meisten Fragen gestellt bekommen?

Richtig: montags und zeitweise auch dienstags. Und zu Jahresbeginn war es immer noch mehr.

Der Jahresbeginn ist die Zeit der guten Vorsätze. Jeder von uns weiß, dass sie nicht lange halten und dennoch ist jedes Jahr aufs Neue der Januar der Monat der Umbrüche.

Immer wieder montags – Der Tag mit dem höchsten Frageaufkommen

Warum das so ist? Warum beschäftigen sich Menschen, die lustlos und unzufrieden im Job sind, ganz besonders häufig zu Wochen- oder Jahresbeginn mit der beruflichen Veränderung?

Ganz einfach: Während der freien Zeit geht es einem in der Regel gut. Man unternimmt die Dinge, die einem Spaß machen, man trifft sich normalerweise mit Menschen, die man mag und hat Rahmenbedingungen und Strukturen um sich, die man sich nach dem eigenen Wohlgefallen gestaltet.

Eigentlich sind Wochenenden und auch Urlaube dafür da, abzuschalten, den Akku aufzutanken und danach wieder mit neuem Elan in die Arbeit zu starten. Eigentlich. 

Wer nach der Devise „Hauptsache weg“ handelt, ist schlecht beraten.

Menschen, die mit dem „Montagsblues“ die Woche starten, die merken körperlich, wie unwohl sie sich fühlen. Wie sehr der Gedanke an den nächsten Arbeitstag Unbehagen auslöst. Du kennst das vielleicht – du kannst nicht einschlafen, willst morgens nicht aufwachen.

Du möchtest am liebsten die Flucht ergreifen. Einfach nur weg. Aber wohin? Häufig egal. Hauptsache weg!

Bist du auch einer von denen? Die gerade im Januar häufig die Stellenportale checken? Weil sie nicht mehr zurückwollen, an den Arbeitsplatz, wo ihnen keine Wertschätzung entgegengebracht wird, wo sie nicht ihre Stärken entfalten können? 

„Engagement ist ein zartes Pflänzchen. Schlechte Führung, unnütze Regeln und Strukturen – und vor allem ein Gefühl der Sinnlosigkeit – lassen es schnell verblühen.“ Prof. Dr. Nico Rose, Experte für Positive Psychologie in „Arbeit besser machen“

Besser kann ich es selbst nicht formulieren, deswegen greife ich hier gerne auf Prof. Dr. Nico Rose zurück, der in seinen Veröffentlichungen immer wieder auf die Themen Zufriedenheit, Glück und Freude bei der Arbeit, eingeht.

Nun ja, jetzt kann ich schlechte Führung, unnütze Regeln und Strukturen oder auch das Gefühl von Sinnlosigkeit nicht einfach so abschalten – auch wenn das vielleicht die Haupttreiber für meine Lustlosigkeit sind.

Was tun wenn man keine Lust mehr hat zu arbeiten?

Stattdessen kann ich lernen damit umzugehen und kann erkennen, wie groß mein persönlicher Einflussbereich ist und für mich ganz persönlich definieren, wie ich mit der Situation umgehe. Nachfolgend meine Top 4, der Handlungsoptionen, die dir zur Verfügung stehen:

1. Finde heraus, was dich stört. 

Bevor du wirklich einen harten Cut machst, solltest du wirklich in die hineinhören und herausfinden, was wirklich der Grund für deine Lustlosigkeit ist.

Sind es deine Aufgaben, die du erledigen hast? Sind es die Rahmenbedingungen – wie Regelung zum Homeoffice, Arbeitszeiten, deinem Vertrag oder Ähnlichem? Ist es die fehlende Anerkennung des Chefs? Kommst du nicht meinen deinen Kunden und/oder deinen Kollegen klar?

Oder liegen gar die Ursachen im privaten Umfeld und du überträgst private Unzufriedenheiten oder Stress sogar auf den Beruf und verspürst deswegen hier eine Unzufriedenheit?

Erst wenn du weißt, vor wem oder was du weglaufen willst, kannst du dir sicher sein, dass du nicht in genau die gleiche Falle beim nächsten Arbeitgeber wieder hineinläufst. 

2. Erkenne: Du gibst den Dingen Bedeutung!

Schauen wir auf ein Fußballspiel: Wenn Deutschland gegen die Niederlande bei einem EM-Finale 1:0 gewinnt, flippen deutsche Fußball-Fans vermutlich aus vor Freude.

Niederländische Fußball-Fans sind vermutlich sehr traurig und nigerianische Feldarbeiter oder Handball-Fans aus Norwegen interessiert das Endergebnis einer Fußballweltmeisterschaft im Zweifel gar nicht.

Wir geben den Dingen Bedeutung. Das heißt, jeder für sich kann entscheiden, wie er mit einer Situation umgeht. Ich kann entscheiden, ob das fehlende Lob meines Chefs mich traurig, zornig, lustlos oder wütend macht oder ob es mich gar anspornt, es diesem Idioten beim nächsten Mal ganz besonders zu zeigen.

Sich das klar zu machen, dass man selbst entscheiden kann, welche Dinge mich emotional belasten oder berühren, ist ein wesentlicher Schritt zu innerer Unabhängigkeit. 

3. Schaffe dir einen Ausgleich.

Überprüfe, welchen Stellenwert deine Arbeit beziehungsweise dein Beruf für dich hat. Ganz häufig geht die Lustlosigkeit und fehlende Motivation zur Arbeit zu gehen mit einer Über- oder Unterforderung bei der Arbeit einher.

Auch hier gilt: Welchen Stellenwert hat deine Arbeit im Leben? Wenn sie für dich dein hauptsächlicher Lebensinhalt ist, du keine Hobbys, wenig Freunde und Beziehungen pflegst und auch sonst Schwierigkeiten hast, abzuschalten, kann eine Alternative helfen! Verlagere deine Konzentration auf Dinge, die dir Spaß machen (könnten).

Triff andere Menschen, mach Sport, gehe anderen Hobbys wieder aktiv nach oder aber entwickele sie für dich. Je weniger du in deiner Freizeit über die Arbeit nachdenkst, du weniger stark tritt die Lustlosigkeit in den Vordergrund – versprochen!

4. Love it, change it or leave it.

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Das Gebet, welches auf den US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zurückgeht, beschreibt meines Erachtens ziemlich gut, welche grundsätzlichen Optionen du hast: Wenn du weißt, was dich unzufrieden und lustlos macht, ändere diese Punkte.

Geht das nicht, hast du zwei Chancen: Akzeptieren oder gehen. So einfach ist das. Wenn du dich für „gehen“ entscheidest, solltest du aber den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen.

Vor jeder beruflichen Neuorientierung steht eine sehr gute Analyse deiner aktuellen Situation, der „Fluchtfaktoren“, deiner beruflichen Ziele und eine klare Marktstrategie für die Bewerbungskampagne.

Hier könnten dir Karriereberater und Coaches helfen, deinen Weg zu finden.

Patrick Baur ist selbständiger Unternehmer und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit der Digitalisierung von Unternehmen und damit wie Veränderungsprozesse für Menschen und Organisationen zu echten Chancen werden.

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