Waren früher die Lebensläufe eher geradlinig und deren BewerberInnen häufig ausgebildet und erfahren in einem speziellen Bereich, zeigen heutige Berufsbiografien meist mehr Abwechslung.

Eine Ausbildung in diesem Bereich, ein Studium in einem anderen, vielleicht auch noch ein nicht abgeschlossenes dazu. Und je älter die Bewerber, desto vielfältiger sind häufig auch die beruflichen Erfahrungen.

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Betriebszugehörigkeiten von 10 Jahren und mehr der Normalfall sind. Hinzu kommen immer häufiger Unterbrechungen der Berufslinie durch „private Auszeiten“ wie Sabbaticals, Elternzeiten oder auch Burnout.

Demnach tummeln sich auf dem Arbeitsmarkt mehr und mehr BewerberInnen, deren fachliche Eignung für eine Stelle nicht unbedingt klar auf der Hand liegt. Vielmehr bewerben sich Menschen ohne die typische Ausbildung oder die einschlägige Berufserfahrung.

Für QuereinsteigerInnen geht es nicht darum, die klassische Karriereleiter hinaufzuklettern, sondern eine laterale Karriere hinzulegen – eben der Quer-Einstieg.

Gründe für einen Quereinstieg

So bunt die Biografien, so vielfältig sind denn auch die Gründe für einen Quereinstieg: Der gelernte und bislang ausgeübte Beruf

  • bietet keine (ausreichenden) Arbeitsmarktchancen mehr, weil das Berufsbild z. B. durch Digitalisierung oder Globalisierung weggefallen ist.
  • kann auch gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden.
  • kann mangels Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr ausgeübt werden.
  • stellt nicht länger zufrieden und lässt nach mehr Sinnhaftigkeit im Berufsleben suchen.

Herausforderungen für QuereinsteigerInnen

Haben PersonalerInnen die Wahl zwischen klassisch ausgebildeten und einschlägig erfahrenen BewerberInnen auf der einen Seite und QuereinsteigerInnen auf der anderen Seite, sind letztere in der Regel zweite Wahl. Aus welchem Grund sollten PersonalerInnen vom bewährten Schema abweichen?

Es braucht QuereinsteigerInnen!

Tatsächlich sprechen einige gute Gründe dafür, sich als Arbeitgeber für QuereinsteigerInnen zu öffnen:

Es gibt immer mehr Tätigkeitsfelder, für die es an klassischen BewerberInnen mangelt – Stichwort Fachkräftemangel. Manche Autoren mögen dabei von einem Mythos sprechen.

Der demografische Wandel unserer Bevölkerung führt jedoch tatsächlich zu einer in den nächsten Jahren schrumpfenden Zahl von Erwerbstätigen.

Und immer mehr Arbeitgeber bekommen nicht mehr so leicht und beliebig viele bestens qualifizierte MitarbeiterInnen. Sie müssen sich daher an die Gegebenheiten des Arbeitsmarktes anpassen. Aktuell sind diese Bereiche für den Quereinstieg besonders aussichtsreich:

  • MINT: Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieur-Wissenschaften, Technik
  • Verkauf, Vertrieb und Marketing
  • Gesundheit und Soziales
  • Transport und Logistik
  • Personalwesen
  • Bau und Handwerk

Durch einen beschleunigten Wandel (Stichwort VUCA-World) fallen nicht nur Berufsbilder weg, sondern es entstehen auch laufend neue, für die noch gar kein speziell passender Studiengang existiert.

Um diese neuen Positionen zu besetzen, bedarf es Flexibilität und Kreativität auf Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite.

Die bekannte Gallup-Studie legt Jahr für Jahr das gleiche Ergebnis auf den Tisch: Deutsche MitarbeiterInnen haben kaum emotionalen Bezug zu ihrer beruflichen Tätigkeit. So können fachlich noch so gut geeignete BewerberInnen bei der Arbeit versagen, weil sie schlicht keinen Bock haben. Und auch hier kommen QuereinsteigerInnen ins Spiel.

Chancen für QuereinsteigerInnen

Aus den geschilderten Umständen ergeben sich für QuereinsteigerInnen Chancen, ein neues berufliches Feld zu stürmen. Gerade die Motivation von BewerberInnen kann fehlende Hardskills mehr als ausgleichen.

So mancher Arbeitgeber hat inzwischen verstanden: Hire for attitude and train for skills. Gelernt werden kann vieles – wo ein Wille, da ein Weg.

Vor dem erfolgreichen Quereinstieg steht allerdings eine Menge Arbeit an. Zunächst sollten BewerberInnen für sich ergründen, welche Motivation für den Berufswechsel zugrunde liegt. Dabei geht es in der späteren Darstellung nicht um die Weg-von-Motivation, sondern um die Hin-zu-Motivation.

Des Weiteren ist zu klären und in der Bewerbung auch zu erklären, welche persönlichen Stärken in die neue Arbeit eingebracht werden können und wollen, die eine Zusammenarbeit von QuereinsteigerIn und Arbeitgeber erfolgreich machen.

Softskills

Beinhaltet die fachliche Eignung die Hardskills, geht es bei der persönlichen Eignung um die Softskills von BewerberInnen. Und diese sind mindestens genauso entscheidend bei der erfolgreichen Stellenbesetzung. Ein Beispiel: Ein Verkäufer hat eine erfolgreiche Ausbildung vorzuweisen.

Er ist jedoch kein Verkäufertyp, geht nicht gerne oder offen auf Menschen zu und kann sich nur schwerlich auf andere Menschen und deren Bedürfnisse einstellen.

Dieser Verkäufer mag zwar eine passende fachliche Eignung vorweisen können, doch allein deshalb ist er noch kein guter Verkäufer.

Eine Verkäuferin im Quereinstieg hat dagegen vielleicht keine formal passende Qualifikation, ist jedoch empathisch, redegewandt und kreativ. So fühlen sich KundInnen bei ihr verstanden, gut aufgehoben und kaufen schließlich aus Überzeugung.

Gerade für QuereinsteigerInnen gilt es also, persönliche Eigenschaften herauszustellen, die für den beruflichen Erfolg entscheidend sein können. Dabei geht es vor allem um solche Attribute, die im neu gewählten Berufsbild einen expliziten Vorteil verschaffen.

Welche persönliche Eigenschaft eine Stärke darstellt, hängt sehr vom Kontext ab. Hierzu sollten sich BewerberInnen in die neuen Aufgaben vorab hineinversetzen und dadurch herausfinden, was es braucht, um einen guten Job zu machen.

Mehrwert schaffen

Arbeitgeber rechnen bei ihren MitarbeiterInnen mit einem wirtschaftlichen Mehrwert (ausgenommen rein sozial orientierte Organisationen). Wie und wodurch Mehrwerte bei der Zusammenarbeit geschaffen werden, hängt sehr von der einzelnen Person ab.

So können nicht nur die Softskills dazu beitragen, sondern auch andere Ressourcen wie beispielsweise Einblicke und Erfahrungen bei Mitbewerbern, Erfahrungen aus Kundenperspektive, persönliche Netzwerke und vieles mehr.

Motivation für den Quereinstieg

Vielleicht der wichtigste Aspekt für einen erfolgreichen Quereinstieg ist die Motivation von QuereinsteigerInnen. Eine klare Antwort auf das Warum hinter dem angestrebten Berufswechsel zieht Menschen förmlich in das neue Arbeitsfeld. So braucht es keine Motivation von außen, keine Extras oder Benefits.

Es braucht vonseiten des Arbeitgebers lediglich eine Begleitung, eine Einführung in die neuen Tätigkeiten. Und wie schon erwähnt, ist intrinsische Motivation unter deutschen ArbeitnehmerInnen Mangelware.

Es gilt, Fragen wie diesen nachzugehen, um die Motivation für Arbeitgeber greifbar zu machen:

  • Wie bin ich auf die Idee gekommen, mich beruflich in diese Richtung zu verändern?
  • Was speziell interessiert mich am neuen Aufgabenbereich und weshalb?
  • Was macht mir besondere Freude an der Arbeit und warum?
  • Welche meiner persönlichen Werte finden im neuen Job Berücksichtigung?
  • Weshalb ergibt die neue Tätigkeit mehr Sinn für mich?

Bewerbung für QuereinsteigerInnen

Bin ich mir als QuereinsteigerIn bewusst, was ich für meinen neuen Arbeitgeber an Nutzen stiften kann und will, geht es an das Bewerben. Und damit das erfolgreich ist, sind ein paar Dinge zu beachten.

Auswahl des passenden Arbeitgebers

Wie wir gesehen haben, gibt es auf dem Arbeitsmarkt durchaus Möglichkeiten für den Quereinstieg. Doch nicht jeder Arbeitgeber ist offen dafür. Daher sollte bei der Recherche nach dem richtigen Arbeitgeber und der passenden Stelle ein Augenmerk darauf gelegt werden.

Während in einigen Stellenanzeigen bereits auch QuereinsteigerInnen willkommen geheißen werden, ist in anderen Fällen zunächst zu klären, inwiefern auch Bewerbungen von QuereinsteigerInnen in Frage kommen.

Dazu empfiehlt sich ein Vorab-Gespräch mit dem Arbeitgeber. Hierbei sollte ergründet werden, welchen Bedarf der Arbeitgeber hat und wie ein Quereinstieg gestaltet werden könnte.

Lebenslauf mit fachlicher Eignung

Weil die fachliche Eignung von BewerberInnen leichter zu prüfen ist, bedienen sich PersonalerInnen in den meisten Fällen zuerst des Lebenslaufs. Also gilt es auch für QuereinsteigerInnen, ihren Lebenslauf dahingehend zu gestalten.

Die Qualifikation, also die relevante Bildung, lässt sich teils auch aus Ausbildungen oder Studiengängen ableiten, in denen interessante Themen vielleicht nur beiläufig behandelt wurden. Oder eine Weiterbildung, selbst autodidaktischer Art, hat die benötigten Kenntnisse vermittelt.



Gewünschte Erfahrungen für eine Stelle können sich nicht nur aus der Berufserfahrung im engeren Sinne ableiten lassen, sondern zudem aus ehrenamtlichen Aufgaben oder Nebentätigkeiten. Geachtet werden sollte allerdings auch auf die Angabe beruflicher Erfahrungen, die sich direkt oder indirekt auf die neue Tätigkeit übertragen lassen.

Habe ich z. B. in der Stelle der Kreditsachbearbeitung auch die Datenbanken überprüft, gepflegt und administriert, sind dies durchaus übertragbare Fähigkeiten in bestimmte IT-Bereiche.

Praktika können nicht nur wertvolle Einblicke in mögliche Zukunftsberufe bieten, sondern ebenfalls mit ersten Erfahrungen zum Gelingen des Quereinstiegs beitragen.

Hierbei sollte im Lebenslauf auf die Nennung der Details geachtet werden, was Bereich, Aufgaben, Verantwortung oder Erkenntnisse aus einem Praktikum betrifft.

Und auch aus dem rein privaten Bereich ergeben sich häufig Kenntnisse und Fertigkeiten, die beruflich relevant werden können. Beispielsweise steckt hinter einem Hobby oftmals ein enormes Spezialwissen, ein hohes Interesse und auch wertvolle Erfahrungen, die sich beruflich zu einem Mehrwert formen lassen.

Bewerbungsanschreiben mit Persönlichkeit

Ein interessantes, ansprechendes Anschreiben kommt gleich zur Sache – oder besser zur Persönlichkeit. Die Einleitung sollte, wie die komplette Bewerbung an sich, ein Unikat sein und eine Verbindung zwischen BewerberIn und Arbeitgeber herstellen.

Gemeinsamkeiten lassen sich auf vielen Ebenen finden: persönliche Kontakte, Erfahrungen als KonsumentIn, Begeisterung für ein Produkt, Übereinstimmungen in Werten, Zielen oder Mission.

Im Weiteren sollte vor allem die Motivation für den Quereinstieg beleuchtet werden. Ein Erläutern der Intention für die bisherigen Stationen im Lebenslauf kann dabei unterstützen.

Für PersonalerInnen sollte nachvollziehbar sein, wie der Berufswechsel oder gar Sinneswandel zustande kam. Und natürlich interessiert es, wohin die berufliche Reise gehen soll und mit welcher Absicht.

Persönliche Stärken bzw. Softskills können besonders gut greifbar gemacht werden durch kleine oder große Erfolgsstorys. Hierbei erzählen BewerberInnen, welche Herausforderung sie mit welchem Vorgehen zu welchem Erfolg geführt haben. Das erzeugt bei LeserInnen entsprechend positive Bilder im Kopf und macht die Stärken vorstellbar.

Sollten QuereinsteigerInnen mit anderem als persönlichen Eigenschaften einen besonderen Mehrwert für ihren Arbeitgeber schaffen, so findet dies ebenfalls im Anschreiben einen guten Platz.

Auch hier ist wieder auf Nachvollziehbarkeit durch Dritte wertzulegen. Zumindest sollte das Interesse des Arbeitgebers geweckt werden, mehr erfahren zu wollen – in einem Bewerbungsgespräch.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten: QuereinsteigerInnen stehen trotz einer meist sehr hohen Job-Motivation vor der Herausforderung, im Wettbewerb mit klassisch ausgebildeten und einschlägig erfahrenen BewerberInnen zu punkten.

Die gezielte Wahl von Branche, Tätigkeitsfeld, Arbeitgeber und auch der Region erhöht die Erfolgschancen.

Mit einer reichhaltigen Selbstreflexion und einer empathischen, aussagekräftigen Bewerbung können QuereinsteigerInnen in die nächste Runde kommen. Fest steht: Der Quereinstieg wird künftig häufiger in Lebensläufen zu finden sein, so dass sich Arbeitgeber daran gewöhnen und offener werden dürften.

Seit 2008 bin ich als BewerbungsCoach tätig und begleite Menschen in ihrer beruflichen Neuorientierung und beim Erstellen ehrlich überzeugender Bewerbungsunterlagen. Mittlerweile konnte ich über 3.000 BewerberInnen dabei helfen, sich selbst besser kennen zu lernen, selbstbewusster zu werden und sich ehrlich, authentisch und überzeugend bei ihrem neuen Arbeitgeber vorzustellen.

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