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Da du diesen Beitrag geöffnet hast, bist du wahrscheinlich daran interessiert Freelancer zu werden. Die Idee, dein eigener Chef zu sein und erst mittags mit der Arbeit zu beginnen, spricht dich an? Dann bist du beim Freelancing richtig… Oder etwa nicht?

Der Traum von mehr Freiheit, vielleicht sogar dem digitalen Nomadentum ist bei vielen Millennials und Gen Z-ern stark. Statt einer beruflichen Neuorientierung probieren viele junge Menschen deshalb zunächst diese Form der Selbstständigkeit aus.

Freelancing ist auf jeden Fall ein möglicher Pfad dahin, was ein Grund ist, warum diese Arbeitsweise so ansprechend erscheint.

In den nachfolgenden Zeilen sollst du aber auch erfahren, dass Freelancing nicht nur Vorteile hat, sondern auch echte Arbeit ist (!). Die Tatsache, dass du als Freelancer fĂĽr ALLES selbst verantwortlich bist, ist dabei nur ein Aspekt.

Was ist Freelancing?

Freelancing ist eine Form der Selbstständigkeit. Statt in einem Unternehmen angestellt zu sein, arbeiten Freelancer als Selbstständige und erbringen ihre Dienstleistungen auf Vertrags- oder Projektbasis.

Unternehmen jeder Art und Größe können Freelancer einstellen, um ein Projekt oder eine Aufgabe zu erledigen, aber Freelancer sind für die Zahlung ihrer eigenen Steuern, Krankenversicherung, Rente und anderer persönlicher Beiträge verantwortlich.

Da sie fĂĽr sich selbst arbeiten, mĂĽssen Freelancer auch ihre eigenen Urlaubs- und Krankheitskosten decken. Gleichzeitig können Freelancer ihre Arbeitszeiten selbst festlegen und Arbeitsvereinbarungen treffen, die zu ihrem Lebensstil passen – entweder arbeiten sie aus der Ferne oder von den BĂĽros ihrer Kunden aus.

Es gibt viele verschiedene Arten von Freelancern, aber sie sind in der Regel Wissensarbeiter, die in einem bestimmten Bereich über ein hohes Maß an Fähigkeiten und Kenntnissen verfügen, wie z. B. Designer, Schriftsteller, Texter, Programmierer, Übersetzer, Projektmanager und so weiter.

Es gibt jedoch noch eine andere Gruppe von Freelancern, die oft als sogenannte „Gigworker“ eingestuft werden. Selbstständige Handwerker, Reinigungskräfte, Bauarbeiter und Uber-Fahrer wĂĽrden in diese Kategorie fallen.

Der deutlichste Unterschied zwischen Freelancern und Gigarbeitern besteht darin, dass Erstere dazu neigen, sich bei ihrer Arbeit auf das Internet zu verlassen. Gigworker konzentrieren sich mehr „traditionelle Arbeiten“.

Wie funktioniert das Freelancing?

Als Freelancer anzufangen, ist ein bisschen wie ein eigenes Unternehmen zu gründen. Zwar hat jedes Land seine eigenen Gesetze und Arten von Geschäftsstrukturen für Freelancer, doch die Schlüsselfaktoren, die zu berücksichtigen sind, bleiben unabhängig davon, wo du lebst oder arbeiten, dieselben.

Konkret
bedeutet dies, dass du die folgenden Dinge machen musst, die
Unternehmen ebenfalls tun mĂĽssen:

  • Gewerbe anmelden – Ă„hnlich, wie ein Unternehmen, musst du auch deine Selbstständigkeit anmelden. Je nach Ort kann der Prozess unterschiedlich sein, ist in der Regel aber sehr unkompliziert.
  • Geschäftskonto – In Deutschland mĂĽssen nur Kapitalgesellschaften ein Geschäftskonto haben. Es ist dennoch auch fĂĽr Freelancer sinnvoll, ĂĽber ein solches zu verfĂĽgen. Es macht einen professionellen Eindruck. Mittlerweile gibt es auch speziell Konten fĂĽr Selbstständige.
  • Buchhaltung / Steuererklärung – Als Freelancer musst du deine Buchhaltung machen. DafĂĽr findest du online schöne Tools, die dir dabei helfen. Wenn es dein Budget erlaubt, kannst du diese Arbeit auch an jemanden outsourcen.
  • Angebote / Rechnungen – Im Weiteren musst du auch Angebote und Rechnungen schreiben. DafĂĽr kannst du ein Tool (wie FastBill oder debitoor) nutzen oder verwendest diese Vorlage.
  • Versicherungen / Krankenkasse – Welche Versicherungen du benötigst, ist sehr davon abhängig, welche Arbeiten du anbietest. Ein Handwerker benötigt eine andere Versicherung, als jemand der fĂĽr die Programmierung fĂĽr eine Banking-Software macht.
  • Verträge – Damit du und deine Kunden abgesichert sind, solltest du wasserdichte Verträge fĂĽr deine Arbeiten erstellen (oder von einem Profi erstellen lassen). Auf diese Weise kannst du sicherstellen, dass du fĂĽr deine Arbeit immer bezahlt wirst.

Du
siehst also, als Freelancer hast du so einige Pflichten zu erfĂĽllen,
die denen eines Unternehmens sehr ähnlich sind.

Bedenke
auch, dass du allein alle Aufgaben ĂĽbernehmen musst, die in einem
traditionellen Unternehmen anfallen. Du bist das Sekretariat, die
Buchhaltung, die Marketing-Abteilung, das Sales-Team und zu allem
dazu musst du auch noch die tatsächliche Arbeit machen!

Aber
hey, es ist nicht alles schlecht…

Was sind die Vorteile des Freelancing?

Die
Freelancer werden ständig mehr. Irgendwas muss also dahinter
stecken. Wo liegen also die Vorteile fĂĽr dich? Hier sind einige:

  • Flexibilität – Du entscheidest, wann, wie und wo du arbeiten willst. Wenn das Geschäft läuft kannst du sogar auf Reisen arbeiten (digitaler Nomade). Aber (wenn es die Pandemie-Situation zulässt) kannst du auch vom Co-Working-Space aus arbeiten. Du bist der Boss.
  • Projekte und Kunden wählen – Du allein bist dafĂĽr verantwortlich, dass Arbeit hereinkommt. Das bedeutet aber auch, dass du dein Geschäft so ausrichten kannst, dass Jobs kommen, die dir SpaĂź machen. Und, du kannst auch mal „nein“ sagen, wenn dir ein Kunde oder ein Projekt nicht gefällt.
  • Dein Geld! – Als Freelancer verdienst du, was du arbeitest. Sprich, alles was du verdienst, geht auf dein Konto. Es ist einfach ein gutes GefĂĽhl, zu wissen, dass du mit deiner Arbeit nicht noch 15 andere Personen bezahlst.
  • Minimal starten – Insbesondere im digitalen Bereich benötigst du sehr wenig, um als Freelancer anzufangen. Oft reicht ein Computer mit Internet-Verbindung. Sprich, etwas was so ziemlich jeder hat.

Das
hört sich doch alles sehr gut an. Wie wollen aber fair bleiben und
zeigen dir daher auch einige Schattenseiten des Freelancer-Daseins
auf.

Was sind die Nachteile eines Freelancers?

Hier
sind einige Faktoren, die du auch beachten musst:

  • Du bist verantwortlich – Egal, was passiert, es liegt immer an dir, erfolgreich zu sein. Niemand sagt dir, was du wann zu tun hast. Auch ist niemand da, der dir bei einem Projekt unter die Arme greift (zumindest nicht kostenlos).
  • Du bist allein – In einem normalen Job bist du in der Regel immer mit anderen Menschen zusammen. Als Freelancer kann es auch mal einsam werden. Hier ist es besonders wichtig, dass du einen guten Ausgleich schaffst (Work-Life-Balance). Ansonsten kann es durchaus zum Problem werden.
  • Unregelmäßiges Einkommen – Leider kannst du als Freelancer immer mal wieder in die Situation kommen, wo ein Kunde nicht oder zu spät bezahlt. Schau daher zu, dass du immer eine gewisse Reserve auf dem Konto hast. Auch kann es passieren, dass du einfach keinen neuen Kunden bekommst.

Bedenke
auch, dass Geld auf dem Konto nicht das gleiche ist, wie das Geld
nach der Steuer. Ein guter Teil deines Einkommens musst du am Ende
des Jahres ans Finanzamt abgeben.


Selbstständigkeit, Freiberufler, Freelancer… und Scheinselbstständigkeit

Freiberufler und Freelancer fallen beide unter den Begriff der Selbstständigkeit.

Sie unterscheiden sich jedoch dadurch, dass Freiberufler diese sind, die sogenannte „Katalogberufe“ ausüben. Dazu gehören etwa Ärzte, Zahnärzte, Anwälte, Notare, Ingenieure, Architekten, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Krankengymnasten oder Journalisten.

Freelancer sind hingegen Selbstständige, die auf Vertragsbasis mit Unternehmen zusammenarbeiten. Sie arbeiten dabei unabhängig von diesen Unternehmen und dies zumeist vom eigenen Büro aus.

Aufgepasst! Es ist toll, wenn du als Freelancer einen großen Auftrag bekommst und langfristig für ein Unternehmen arbeiten kannst. Du musst jedoch aufpassen, dass du nicht nur für ein Unternehmen arbeitest, da du sonst in den Bereich der Scheinselbstständigkeit rutschst.

Das ist illegal, da es auf diese Weise keinen Grund fĂĽr das Unternehmen gibt, dich nicht fest anzustellen.

Selbstverständlich ist es klar, dass du zu Beginn deiner Freelancer-Karriere nicht gleich zehn Kunden hast. Auf keinen Fall kannst du aber langfristig für nur einen Kunden arbeiten.

Marketing: Als Freelancer Kunden bekommen

Eine
zentrale Aufgabe für Freelancer ist es, ständig neue Kunden an Land
zu ziehen. Nicht jeder ist das geborene Marketing-Genie,
glĂĽcklicherweise gibt es aber verschiedene Wege zu neuen Kunden.

Einige
Möglichkeiten sind die Folgenden:

  • Jobportale – Allein in Deutschland gibt es wohl zwischen 50 und 100 Jobportale, wo Freelancer Aufträge bekommen können. Wenn du keine Ahnung von Marketing hast, ist das ein guter Anhaltspunkt.
  • Networking – Zeige dich auf Veranstaltungen, nehme an Meetups teil, halte dich grundsätzlich dort auf, wo Unternehmer sind. Diese Variante ist vor allem fĂĽr extrovertierte Personen sinnvoll.
  • Social Media – Andere Freelancer nutzen Facebook, Twitter, Instagram und so weiter als ihre Plattform. Kunden ĂĽber Social Media zu gewinnen kann funktionieren.
  • SEO – Eine Website sollte sowieso jeder Freelancer haben… Wer Suchmaschinenoptimierung versteht, kann seine Seite in Google nach vorne bringen und auf diese Weise Kunden anziehen.
  • Werbung schalten – Wenn du das Budget dafĂĽr hast, kannst du auch Werbung schalten. Etwa bei Facebook oder Google Adwords.

Als
Freelancer musst du dir unbedingt Wissen im Bereich Marketing
aneignen. Du musst nicht alles können, aber lerne zumindest die
Basics. Du bist dafĂĽr verantwortlich, dass neue Kunden auf dich
zukommen.

Fazit

Freelancing
ist ein sehr vielseitiges Geschäft, das mit viel Arbeit verbunden
ist… Wenn du es jedoch schaffst erfolgreich zu geschäften, wird
dir das Freelancertum auch sehr viele Freiheiten und SpaĂź bringen.

Schlussendlich
kann ich sagen: Freelancing ist eine Chance und wenn du die Sache mit
Bedacht angehst, kannst auch du erfolgreich als Freelancer arbeiten.