Berufliche Umorientierung in der Elternzeit

Die Reaktion meines Chefs als ich aus der Elternzeit zurückkehren wollte, war für mich ein Schlag ins Gesicht: Ich hatte lange studiert, über 14 Jahre gearbeitet, davon sieben in einer führenden Position im Konzern, und meinen Job wirklich geliebt. Doch nun musste ich feststellen, dass meine Karriere vorbei war.

Die angebotene Stelle umfasste weniger Stunden, war keine Führungsposition und bot mir keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten. Eigentlich war eine berufliche Neuorientierung in der Elternzeit für mich kein Thema gewesen, doch nun sah es anders aus. 

Gute Gründe für einen Neustart in der Elternzeit

Nachdem der erste Schock überwunden war, befasst ich mich schnell mit möglichen Alternativen. Denn mir war klar, dass ich nicht „nur“ Mutter sein wollte. Eine Anstellung in einem anderen Unternehmen hätte die gleichen Schwierigkeiten mit sich gebracht und so landete ich schnell bei der Selbstständigkeit. Diese bietet in meinen Augen viele Vorteile, wenn du Kinder hast: 

  1. Du entscheidest, wie viele Stunden du pro Woche arbeitest: Mit der Geburt meiner Tochter war klar, dass ich keine Vollzeitstelle mehr antreten würde. Während weniger Stunden für viele Arbeitgeber nicht in Frage kommen, hast du deine Arbeitszeit in der Selbstständigkeit selbst in der Hand. 
  2. Du kannst all deine Qualifikationen nutzen: Leider erleben viele Mütter denselben Karriereknick wie ich, wenn sie aus der Elternzeit zurückkehren wollen. In der Selbstständigkeit entscheidest du dagegen, wie deine Arbeit aussieht und ob du dein volles Potential ausschöpfst. 
  3. Du kannst für dein Kind da sein und arbeiten: Ich wollte immer für mein Kind da sein, ohne mich rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen. Zeitgleich wollte ich aber auch einer spannenden Arbeit nachgehen, die mich fordert. Als Selbstständige:r hast du die Möglichkeit beides zu vereinen! Du kannst dir deine Arbeit frei einteilen und musst niemanden um Erlaubnis bitten, wenn du Zeit für dein Kind brauchst. 

Schon während den letzten Monaten der Elternzeit begann ich, mein eigenes Unternehmen aufzubauen. Dennoch nahm ich auch erstmal die neue Stelle bei meinem Arbeitgeber an. Das ist ein weiterer großer Vorteil, wenn du dich während/nach der Elternzeit selbstständig machst: Durch deinen bestehenden Job hast du ein Sicherheitsnetz und kannst deine Ideen für die Selbstständigkeit erst einmal ausprobieren. 

Was du tun solltest, um in der Elternzeit durchzustarten

Viele gehen mit dem Gedanken in die Elternzeit, nun endlich viel Zeit zu haben. Doch das erste Kind lehrt uns, dass das Gegenteil der Fall ist! Darum ist es wichtig, smart mit deiner freien Zeit umzugehen und dir einen guten Plan für deinen Start in die Selbstständigkeit zurechtzulegen. 

1. Finde dein Thema

Schau dir im ersten Schritt deine Interessen und deine Fähigkeiten genau an: Über welche Themen kannst du immer sprechen, weil du so begeistert davon bist? In welchen Bereichen wirst du oft um Rat gefragt? Wo wird dein Wissen gebraucht und hilft anderen weiter? So findest du heraus, wofür du brennst, und deckst deine Stärken auf. 

Du brauchst ein Thema, das dir leicht von der Hand geht und wirklich Spaß macht. Meiner Erfahrung nach ist das der Schlüssel für eine erfolgreiche Selbstständigkeit, der du auch langfristig nachgehen willst. 

2. Mach den Realitätscheck

Genauso wichtig, wie dein Spaß bei der Arbeit, ist aber auch der Realitätscheck. Denn so schön es wäre, mit dem Hobby Geld zu verdienen, so ist doch nicht jedes Hobby dafür geeignet. Frag dich ganz ehrlich: Gibt es für mein Angebot einen Markt? 

Recherchiere hierfür einmal, welche Angebote es in deinem Traumbereich bereits gibt, und wie du dich von diesen abheben kannst. Welche Alleinstellungsmerkmale kannst du bieten, die dein Angebot attraktiv machen? Selbst wenn es schon viele Angebote im selben Bereich gibt, kannst du mit deiner Persönlichkeit etwas Besonderes daraus machen. 

3. Werde schnell sichtbar 

Hast du dein Thema gefunden, solltest du so schnell wie möglich am Markt sichtbar werden. Der einfachste Weg hierbei führt über Social Media: Während du einiges an Zeit brauchst, um eine Website zu bauen, ist ein Social-Media-Profil schnell erstellt. Zudem kannst du in sozialen Netzwerken schneller und unkomplizierter auf deine Zielgruppe zugehen, während deine Website erstmal gefunden werden muss. 

Wenn du dich noch nicht so richtig traust, dann frag dich mal ehrlich, was dich gerade zurückhält. Spiel dann zwei Szenarien durch: Stell dir erst vor, was das Schlimmste wäre, das dir passieren kann. Aber dann stell dir auch vor, was Positives passieren könnte, wenn du dich jetzt traust. In der Regel gewinnt das zweite Bild! 

4. Bau deine Community auf

Leider erlebe ich es immer wieder, dass Selbstständige viel Zeit und Geld in eine Idee investieren, ohne mit einer Menschenseele darüber zu sprechen. Das Ergebnis sind dann oftmals Angebote, die an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbeigehen.

Darum sollte es nicht dein einziges Ziel auf Social Media zu sein, schnell eine hohe Reichweite zu erschaffen. Viel wichtiger ist es, eine treue Community aufzubauen und diese zu pflegen. So hast du Menschen an deiner Seite, mit denen du über deine Produktideen sprechen kannst: Du bekommst schnell Feedback, kannst deine Angebote weiterentwickeln und genau die Produkte auf den Markt bringen, die deine Zielgruppe braucht. 

Natürlich bedeutet das auch, dass du dich möglicher Kritik aussetzen musst. Aber ist es nicht besser, frühzeitig zu erfahren, dass ein Produkt nicht gebraucht wird, anstatt viel Zeit und Geld zu investieren? 

5. Vergiss Perfektionismus 

Und das bringt mich auch schon zum nächsten Punkt: Vergiss Perfektionismus! Wichtig ist, dass du von deiner Zielgruppe wahrgenommen wirst. Dabei ist es nicht nötig, alles von Anfang an superschön und „perfekt“ zu machen. 

Tatsächlich bin ich überzeugt, dass es „perfekt“ gar nicht gibt: Denn „perfekt“ würde bedeuten, dass etwas fertig ist und das existiert weder in der Persönlichkeits- noch in der Unternehmensentwicklung. Perfekt im unternehmerischen Sinne bedeutet, dass du deine Produkte immer weiterentwickelst und die Bedürfnisse deiner Zielgruppe immer besser erfüllst. 

Wer weniger Perfektionismus anstrebt, ist in der Regel auch authentischer: Gerade Frauen neigen dazu, anderen Menschen gefallen zu wollen und sich an sie anzupassen. Dabei ist es gerade deine Persönlichkeit, die dich von anderen unterscheidet und die du zeigen darfst. Am Ende wollen die Menschen immer mit den Menschen zusammenarbeiten, die echt und sympathisch sind und sich nicht verstellen. 

6. Konzentriere dich auf das Wesentliche 

Viel wichtiger als Perfektionismus ist, dass du dich auf das Wesentliche konzentrierst und deine Prozesse schlank hältst. Es gibt diverse Möglichkeiten, um deine Prozesse zu automatisieren und zu skalieren. 

Gerade als Mompreneur ist es wichtig, dass du den Überblick nicht verlierst und schnell erste Umsätze generierst. Das funktioniert nicht, wenn du immer erst rausgehst, wenn in deinen Augen „alles perfekt“ ist. Schließlich willst du ja auch noch genug Zeit für dein Kind und dich haben. 

Der Schritt in die Selbstständigkeit 

Der Schritt in die Selbstständigkeit erfordert Mut. Du brauchst Mut, um etwas Neues zu schaffen, sichtbar zu werden und Vertrauen in dich selbst. 

Mit Karriere.mum unterstütze ich Frauen genau dabei: Wir finden deine Stärken und arbeiten gemeinsam an deinem Selbstvertrauen. Wir setzen aber auch tatkräftig um und arbeiten an deinem Unternehmen, so dass du schnell erste Erfolge feiern und dir ein Leben aufbauen kannst, das du liebst. Sei mutig, denn du kannst nur gewinnen! 

Jenny Schuster ist Mutter und Gründerin von Karriere.mum. Als sie 2020 aus der Elternzeit in ihre Führungsposition in einem Konzern zurückkehren wollte, erkannte sie, dass ihre Karriere vorbei war. Obwohl sie nie „nur“ Mutter sein wollte, wurde ihr keine passende Stelle geboten. Heute unterstützt sie andere Frauen, vor allem Mütter, dabei, ihr eigenes Onlinebusiness aufzubauen und sichtbar zu werden. Instagram: https://www.instagram.com/karriere.mum/

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